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13
Oktober
Autor:
Redaktion
Allgemein

BRIDGE – Das Projekt

Approbation mit Migrationshintergrund. Wie ein Projekt angehende Mediziner:innen unterstützt!

Die derzeitige Situation rund um COVID-19 zeigt, wie wichtig die ärztliche Versorgung gerade im ländlichen Raum ist. Dabei muss es noch nicht einmal zu einer direkten Behandlung zwischen Arzt, beziehungsweise Ärztin und Patient:in kommen. Das neuartige Virus macht deutlich, wie unsicher die Menschen sind, wenn es um deren eigene Gesundheit geht und wie wichtig für sie eine vertrauensvolle, medizinische Instanz ist, an die sie sich fragend wenden können. Gerade jetzt zeigt sich, wie relevant es ist, einen verlässlichen Hausarzt oder eine verlässliche Hausärztin vor Ort zu haben, insbesondere im ländlichen Raum.  

Leider wird die medizinische Versorgung, vor allem auf dem Land, auf Grund des demographischen Wandels zu einem immer größeren Problem. Hausärzte:innen von „nebenan“, zu denen wir schon seit jeher gehen, verabschieden sich in den 2020er Jahren in den Ruhestand und können die Praxis ohne eine passende Nachfolge nicht übergeben. Junge Studierende der Medizin zieht es einerseits in die Städte, in denen sie sich attraktive Praxen aufbauen oder in Kliniken arbeiten, um ihre Karriere zu fördern. Ein Großteil angehender Ärzte:innen möchte andererseits im Angestelltenverhältnis arbeiten, um den Spagat zwischen Beruf und Familie besser zu schaffen. 

Während nicht nur zu wenige Hausarztpraxen auf dem Land fortgeführt werden können, steigt die Zahl älterer Menschen mit Mehrfacherkrankungen. Multimorbidität ist der Fachbegriff, wenn Patienten:innen auch über eine spezifische Erkrankung hinaus unter weiteren Krankheiten leiden, was vermehrt in höherem Alter auftritt. So haben wir auf der einen Seite Arztpraxen auf dem Land, die nicht fortgeführt werden und auf der anderen Seite eine wachsende Zahl an Patienten:innen, deren Behandlungsbedarf steigt. 

BRIDGE – wie ein Projekt hier Lösungen schafft 

BRIDGE steht nicht nur wörtlich, sondern auch sinnbildlich für „Brücke“ und ist ein Projekt der care pioneers GmbH. Ein Unternehmen aus Oldenburg, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Pflege und Medizin zu digitalisieren und die Gesundheitsversorgung, speziell im ländlichen Raum, zu stärken. Aus diesem Grundgedanken heraus ist das Projekt BRIDGE entstanden, das sich als Ziel gesetzt hat, zugewanderte Ärzte:innen auf dem Weg zur Approbation zu begleiten und das Bindeglied, also die Brücke, zwischen dem Kandidaten, der Kandidatin und den niedergelassenen Ärzten:innen zu sein. Im Jahr 2021 wird BRIDGE zunächst in der Stadt Emden sowie in den Städten des Landkreises Aurich als ein Pilotprojekt starten und schließt insbesondere auch Ärzte:innen ein, die bereits seit längerer Zeit in Deutschland sind, aber an den immensen Hürden der Zulassungsvoraussetzungen scheitern.

Sie können innerhalb des Programms begleitet und auf die bevorstehenden Aufgaben vorbereitet werden. BRIDGE versteht sich daher als ein Baustein, mit der Expertise und jenem Konzept, die medizinische Versorgung im ländlichen Bereich zu stärken.  

Innerhalb von 13 Monaten werden potenzielle Kandidaten:innen für den medizinischen Alltag in Deutschland fit gemacht und auf die staatliche Zulassung, genannt Approbation, vorbereitet, um hierzulande als Arzt oder als Ärztin tätig sein zu dürfen. Gefördert wird das Projekt mit über 400.000 EUR durch den Europäischen Sozialfonds. Das Pilotprojekt wird derzeit durch den Landkreis Aurich und die Stadt Emden unterstützt und begleitet. Zentrale Partner des Projektes sind die Kassenärztliche Vereinigung, insbesondere die Bezirksstelle in Aurich, die European Medical School (Oldenburg) und Alfa Personnel Care GmbH (Hamburg). 

Das Projekt im Detail:

„Vernetzen. Verbinden. Versorgen. Willkommenskultur schaffen“ –so das Motto des Projektes. In anderen Ländern ist es weit weniger verbreitet, sich als Hausarzt oder als Hausärztin auf dem Land niederzulassen. So muss, neben der sprachlichen und kulturellen Barriere, eine Brücke geschaffen werden, die es für Ärzte:innen aus dem Ausland attraktiv macht, in Deutschland die Lücke der medizinischen Versorgung auf dem Land zu schließen. Dies bedeutet beispielsweise, dass es ihnen ermöglicht wird, sich innerhalb eines festgelegten Zeitraums in den Berufsalltag einzuarbeiten und bereits ab dem ersten Tag ihren Lebensunterhalt zu verdienen. So fokussiert sich das Projekt BRIDGE darauf, neben der jeweiligen sprachlichen Förderung, auch die fachliche Unterstützung in den Vordergrund zu stellen.  

Die größten Hürden der Integration zugewanderter Ärzte:innen sind die Bereitstellung eines Wohnsitzes im Einsatzgebiet sowie die Unterstützung in sämtlichen bürokratischen Vorgängen, um sowohl dem praktizierenden Hausarzt, der praktizierenden Hausärztin als auch den Bewerbern und Bewerberinnen den Rücken freizuhalten. Beide sollen sich nach bestem Gewissen voll und ganz auf die Aufgabe der Einarbeitung, Vorbereitung und Übergabe der Praxis fokussieren können. So werden die teilnehmenden Hausärzte:innen unter anderem bei der Erstellung von Verträgen seitens der care pioneers GmbH, der Stadt Aurich und dem Landkreis Emden unterstützt. Aber auch der Bewerber, beziehungsweise die Bewerberin wird von Beginn an bei sämtlichen Formalitäten begleitet.  

Skepsis seitens der Hausärzte:innen 

„Uns ist klar, dass Ärzte:innen, die wir auf das Projekt ansprechen, teilweise zurückhaltend reagieren und uns fragen, ob die Kandidaten:innen denn überhaupt richtig Deutsch sprechen können.“, sagt Melanie Philip (Geschäftsführerin der care pioneers GmbH). Diese Skepsis, so Philip, könne sehr schnell entkräftet werden. „Alle Kandidaten:innen, die hierfür in Frage kommen, müssen die deutsche Sprache bereits auf dem international anerkannten Level B2 (Selbstständige Sprachverwendung) beherrschen und nachweisen können.“, fährt sie fort. Während der ersten drei Monate wird das Sprachniveau auf C1 (Fachkundige Sprachkenntnisse) angehoben, so dass die Kanditaten:innen bei Beginn ihrer Praxistätigkeit bereits das nächste Level erreicht haben. Das höchste anerkannte Sprachlevel dieser Form ist C2.  

Zumal ist es Ziel des Projekts BRIDGE, dass die zugewanderten Ärzte:innen auf die hohen Qualitätsansprüche des deutschen Gesundheitssystems vorbereitet werden.

Dahingehend sind auch das ausgeklügelte System und die Wahl der teilnehmenden Arztpraxen ausgerichtet: Nachdem entsprechende Kandidaten:innen, die den gesetzlichen Voraussetzungen für ein solches Traineejahr entsprechen, ankommen, findet eine einwöchige Willkommensphase statt. Bereits 4 Wochen vorher wurde die Wohnung bezogen, die seitens der Landkreise während des Traineejahres zur Verfügung gestellt wird. 

Ebenso wird dafür gesorgt, dass alle alltäglichen Dinge und bürokratischen Schritte soweit vollendet sind, um sich zunächst 3 Monate lang auf die Fachsprachprüfungen vorzubereiten.

Ein speziell für das Traineejahr entwickelte Konzept soll hier die Erfolgsaufsichten auf eine bestandene Prüfung anheben. Wenn die Prüfung bestanden wurde, erhält der Arzt und/oder die Ärztin eine Berufserlaubnis und kann anschließend für sechs Monate in Begleitung des zuständigen Trainee-Hausarztes, oder der Trainee-Hausärztin, die ersten Schritte im deutschen Gesundheitswesen gehen.

Danach folgt die Vorbereitungsphase zur Approbation innerhalb von drei Monaten. Hier werden vier Tage schulisch verbracht, in denen die Kandidaten:innen ein von der European Medical School ausgearbeitetes Konzept durchlaufen. Dabei geht es vorwiegend um praxisbezogene, allgemeinärztliche Themen, denn Ziel ist, wie bereits erwähnt, dass die Teilnehmer:innen später auch als Hausarzt/Hausärztin tätig sind und auf dem Land bleiben. An einem Tag der Woche steht während dieser Phase ein Praxistag an. Nach der Vorbereitung zur Approbation, die maßgeblich durch den Niedersächsischen Zweckverband zur Approbationserteilung (NIZZA) begleitet wird, können sich die nun zugelassenen Ärzte:innen – sofern die Approbation erteilt wurde – für die anschließende sechsjährige Facharztausbildung zum/zur Allgemeinmediziner:in anmelden.  

Bereits jetzt haben sich sieben Hausärzte:innen und das Gesundheitsamt des Landkreises, mit Standorten in den Städten Norden und Aurich als Traineepartner zur Verfügung gestellt. Die Kommunen des Landkreises Aurich und der Stadt Emden tragen neben den beschriebenen Unterstützungen auch eine Mitfinanzierung. Insgesamt möchte das Projekt mit 10 Praxen im Raum Aurich/Emden ab 1.4.2021 starten.

Mehrwerte des Projekts 

Hausärzte:innen, die altersbedingt ihre Praxis übergeben möchten, können zugewanderte Ärzte:innen aufnehmen und sie schon früh in das Tagesgeschäft mit folgendem Mehrwert integrieren: Die möglichen Nachfolger:innen lernen die Strukturen kennen, werden mit den vorhandenen Patienten:innen vertraut und können sich schnell ein Bild davon machen, ob ihnen die geforderte Arbeit zusagt. Hingegen können die Hausärzte:innen die Zeit der Einarbeitung nutzen, um zu beurteilen, ob die möglichen Nachfolger:innen in die gestandene Struktur passen und sie sich daraus resultierend eine Übergabe der eigenen Praxis an den oder die Wahlkandidaten:in vorstellen können. Zeitgleich lernen auch die Patienten:innen ihren Hausarzt beziehungsweise ihre Hausärztin in spe bereits früh kennen und schätzen.  

Die teilnehmenden Ärzte:innen können so in der Zeit der Begleitung bestmöglich integriert, gefördert und vernetzt werden. Neben theoretischer und fachlicher Weiterbildung wird während ihres Traineeprogramms deren Unterhalt finanziert und wichtige Netzwerke geschaffen. So kann eine ideale Existenz aufgebaut werden, die für alle Beteiligten eine große Chance darstellt: Einen weiteren Baustein stärken, mit dem die ländliche Versorgung im medizinischen Bereich geschlossen werden kann und kompetenten Medizinern:innen eine Perspektive eröffnet wird.