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25
Februar
Autor:
Philipp Zell
Palliative Care Konzept

Die Pflegepioniere über die Weiterbildung Palliative Care – 11 Fragen an Pflegepionierin Daniela Wilhelm

Daniela Wilhelm ist Krankenschwester, Palliative Care Fachkraft und war viele Jahre in einem stationären Hospiz und ambulanten SAPV Team tätig. Heute organisiert sie als Pflegepionierin Kurse für Pflege- und Gesundheitseinrichtungen und schult als Dozentin selbst. Hier stellt sie das Weiterbildungskonzept „Palliative Care“ der Pflegepioniere (care pioneers GmbH) vor und beantwortet die häufigsten Fragen dazu. 

Weshalb ist eine palliative Qualifikation wichtig? 

Wenn man Menschen fragt, wo sie sterben möchten, antworten über 80% mit zuhause. Die Realität sieht leider anders aus, denn das Leben vieler, circa 50 % der Sterbenden, endet heute im Krankenhaus oder Heim.  

Damit ein Mensch in den eigenen vier Wänden sterben kann, muss die professionelle medizinische und pflegerische Versorgung zuhause sichergestellt werden können. Das geschieht unter anderem über die sogenannte „Spezialisierte ambulante Palliativversorgung“ (SAPV).  Diese versorgen die schwerstkranken und/oder sterbenden Menschen zuhause. So kann eine Einweisung in ein Krankenhaus vermieden werden. Der Wunsch, zuhause zu sterben, kann durch diese Dienste also umgesetzt werden. Diese arbeiten dann z.B. mit Palliativmediziner:innen, Apotheker:innen und Seelsorger:innen zusammen, um die Versorgung sicherzustellen.  

Voraussetzung für diese SAPV ist wiederrum, dass die Fachkräfte entsprechende Qualifikation besitzen und die Dienste 24 Stunden am Tag erreicht werden können. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass besonders qualifiziertes Personal notwendig ist, damit Menschen dort sterben können, wo sie möchten.  

„Wir wissen, dass besonders in der Versorgung am Lebensende ein hohes Maß an qualitativ hochwertig ausgebildeten Fachkräften ein absolutes Muss ist. Daher entwickeln wir ständig Programme zum Zwecke der Ausbildung weiter, um gemeinsam mit unseren Kunden einen hohen Grad an gut ausgelernten Mitarbeiter:innen garantieren zu können“, betont Daniela Wilhelm. 

Was sind für Sie weitere Gründe für eine palliative Qualifikation? 

Nicht jeder Mensch hat am Lebensende Anspruch auf einen Platz im Hospiz in dem ausschließlich palliative qualifizierte Pflegekräfte tätig sind. Besonders wenn Menschen in einer stationären Pflegeeinrichtung leben, kann ein Umzug in ein Hospiz zum Lebensende nur im Einzelfall stattfinden. Für mich ein Grund mehr, weshalb palliatives Wissen und die Einstellung dazu auch besonders im stationären Pflegebereich Einzug halten sollte. Gerade auch im Hinblick der Tatsache, dass Fachkräfte in diesem Bereich unter anderem auch das Leid von Eltern und sterbenden Kindern beziehungsweise von jungen Menschen verarbeiten müssen. Hier ist eine entsprechende Qualifikation im Sinne einer kompetenten Weiterbildung unabdingbar. 

Über welchen Zeitraum erstreckt sich eine Fortbildung, um im Palliative Care Bereich arbeiten zu können? 

In der ambulanten Pflege besteht die Möglichkeit, schwerkranke Menschen über die „SAPV – Spezialisierte, ambulante Palliativversorgung“ zu begleiten, um eben das Sterben zuhause zu ermöglichen. Voraussetzung dafür, dass eine Pflegefachkraft in einem solchen Team eingesetzt werden kann und Patient:innen betreuen darf, ist eine 160-stündige Qualifizierungsmaßnahme.  

Können Sie sich an konkrete Situationen erinnern, in denen die Mehrwerte der Palliative Care Ausbildung zum Tragen kamen? 

Als sehr wertvoll erweist sich das erlernte Wissen aus einer Palliative Care Weiterbildung gerade auch dann, wenn beispielsweise in Krankenhäusern kein Palliative-Team vorhanden ist, das ich konsiliarisch hinzuziehen kann.  

Für mich persönlich ist es äußerst entscheidend, wenn nicht sogar Grundvoraussetzung, dass sämtliche Teilnehmer:innen wirklich freiwillig die Kurse besuchen. Meiner Erfahrung nach leide, wie überall, die Qualität sehr, wenn sie lediglich vom Unternehmen „geschickt“ wurden.  

Worin unterscheidet sich das Konzept der Pflegepioniere von anderen Anbietern? 

Wir haben in den über die Jahre stattgefundenen Kursen immer wieder festgestellt, wie schwierig es mittlerweile für Arbeitgeber:innen ist, Mitarbeiter:innen für eine 160-stündige Weiterbildung freizustellen. Angesichts des Personalmangels in der Pflege ist die Bindung an einen vorhandenen Dienstplan unerlässlich. Meiner Meinung nach, können Angestellte nicht mehr ohne weiteres auf Reisen geschickt werden, nur um an Fortbildungen teilzunehmen. 

Daraus ist über die Jahre hinweg unser Konzept gewachsen. Wir garantieren volle Flexibilität, nicht nur in Bezug auf die Stundenverteilung, sondern auch hinsichtlich der Schulungsorte. Unser Dozententeam kommt in die Region der Palliativstützpunkte und der Pflegeeinrichtungen, mit denen wir gemeinsam schulen. Weite Wege für die Teilnehmenden werden vermieden. Wir profitieren von Beginn an, neben der fachlichen Qualifizierung, von der gewünschten Netzwerkbildung, die zwangsläufig stattfindet, da alle vor Ort tätig sind. 

Ein Beispiel für positives Feedback aus den Schulungsveranstaltungen? 

Ich höre immer wieder in der Abschlussrunde, dass die Ängste abgebaut wurden. Zum Beispiel, wenn es darum geht, einen Palliativstützpunkt etc. vor Ort zu kontaktieren. Man kennt nun die Gesichter und die Ansprechpartner:innen. Die meisten Kunden bleiben als Schulungskunden bei uns – das spricht grade bei einem so besonderen Thema für sich.  

Wie sieht das Unterrichtskonzept aus? 

Blockunterricht ist für die Teilnehmer:innen beispielsweise nicht von Nöten. Wenn wir Pflegeeinrichtungen betreuen, die womöglich nur an einem Tag in der Woche Kapazität haben, gehen wir auf die Bedürfnisse der Arbeitgeber:innen ein. Somit gelingt es uns, die Ressourcen der Beschäftigten bestmöglich mit ihrem Dienstplan unter einen Hut zu bringen und sie dennoch gut fortzubilden. Das Modell kommt wahnsinnig gut an. So ist das Feedback der Teilnehmenden, anders als zunächst befürchtet, sehr positiv. Das Erlernen und das Probieren in der Praxis sowie ein genereller Austausch finden über einen viel längeren Zeitraum statt.  

Aus diesem Feedback heraus, zusammen mit dem geäußerten Wunsch, die Kurse fortzuführen, wurde die Idee einer digitalen Austauschplattform für Palliative Care-Kräfte entwickelt. Diese bildet eine Basis zur Vermittlung aktueller Themen. Gleichzeitig schafft sie die Voraussetzungen für einen grundlegenden Austausch beispielsweise mit dem Dozententeam, indem unter anderem vertiefende Schulungen angeboten werden können. 

Wie sehen typische Inhalte der 160-stündigen Palliative Care Qualifizierung aus? 

Inhaltlich lernen die Teilnehmer:innen Themen wie:  

  • Erfahrung mit Tod und Sterben im eigenen Erleben und im beruflichen Kontext 
  •  Multidisziplinäre Teamarbeit und palliative Haltung/Einstellungen 
  •  Kommunikation mit Sterbenden & Angehörigen / Biografische Aspekte  
  •  Ethische Aspekte  
  •  Rechtliche Grundlagen am Lebensende und in der Palliativversorgung 
  •  Möglichkeiten zur Symptomkontrolle aus medizinischer und pflegerischer Perspektive z.B. bei Schmerzen, Übelkeit, Angst, Unruhe, Luftnot, Appetitlosigkeit, palliative Wundversorgung etc. 
  •  Basale Stimulation in der letzten Lebensphase 
  •  Tod und Sterben in anderen Kulturen 
  •  Trauer 
  •  Kinder nehmen Abschied  
  •  Was passiert nach dem Tod? 
  • Und weitere Themen 

Worauf legen Sie besonderen Wert bei Ihren Dozent:innen? 

Sie haben alle einen Bezug zur Palliativarbeit und sind seit Jahren ein eingespieltes Team. Natürlich kommen auch stets weitere Dozent:innen hinzu. Daher droht unserem Konzept nicht ein eingefahrenes System zu werden.  

Auf Grund der Tatsache, dass sie selbst palliativ tätig sind oder waren, können sie äußerst authentisch und praxisbezogen ihr Fachwissen vermitteln.  

Können solche Schulungen gefördert werden? 

Gerade für Niedersachsen kann ich gute Nachrichten verkünden: die Palliative Care Weiterbildung ist beispielsweise über die Förderrichtlinie „Weiterbildung in Niedersachsen“ noch bis zur Mitte des Jahres 2022 förderfähig. Ein großer Teil der Kosten kann dadurch getragen werden. Das nutzen bereits viele unserer Kunden, um im eigenen Unternehmen mehr als eine Palliative Care Kraft auszubilden. Wenden Sie sich bei Fragen dazu gerne an mich. Ich informiere Sie zu dieser Fördermöglichkeit. (Hinweis: keine Fördermittelberatung) 

Zum Abschluss: Was werden Sie in diesem Zusammenhang besonders häufig gefragt? 

Ich werde oftmals von Kunden später gefragt, ob wir für die ausgebildeten Palliative Care Kräfte, die im SAPV Bereich tätig sind und sich gemäß SAPV Vertrag nach §132d Abs. 1 SGB V mit 20 Stunden in zwei Jahren fortbilden müssen, entsprechende Weiterbildungen anbieten. Hier entwickeln wir aktuell mit unserem Dozententeam ein Angebot an weiterführenden und vertiefenden Schulungsthemen. So können wir aus einer Hand auf das Grundlagenwissen aus dem Palliative Care Kurs aufbauen.