Sie erreichen die Pflegepioniere ab sofort unter: 0441-55978080

01
März
Autor:
Josephine Dinkelbach
Allgemein

Digitalisierung in der Pflegebranche

Das große Wort Digitalisierung klopft an unsere Haus- und Unternehmenstüren. Ein willkommener oder eher ein ungewünschter Gast? Ganz klar ein sehr Willkommener! Warum sollten wir der Digitalisierung unbedingt Einlass gewähren? In unseren privaten Alltag, als auch insbesondere in unser (pflegerisches) Berufsleben? 

Wie sollten wir Digitalisierung begegnen?

Für viele ist Digitalisierung noch immer ein respekteinflößendes, fremdes Wesen, welches nicht einzuschätzen ist. Digitalisierung hat tatsächlich viele Gesichter und gestaltet sich von unterschiedlichen Standorten und Kontexten aus immer anders. Gefährdet sie nun meinen Job oder kann sie mir sogar Vorteile bringen und neue Arbeitsplätze schaffen? Gefahr oder Freund? Erleichterung oder Überforderung? 

Digitalisierung an sich bedeutet nichts anderes als das zuvor analoge Prozesse und Strukturen nun durch digitale Lösungen ersetzt oder von ihnen unterstützt werden. Also zum Beispiel: Das nicht gerade umweltfreundliche, ortsgebundene Papierchaos wird durch eine digitale, papierlose Datenspeicherungen ersetzt, die von jedem Ort der Welt abrufbar sein kann.  Digitalisierung wird unaufhaltsam, genauso wie die industrielle Revolution im 19.Jahrhundert, in unser aller Leben kommen und sowohl unseren in Deutschland zentrierten (Berufs-)Alltag als auch den der ganzen Welt immer mehr verändern. Und ebenso wie die industrielle wird auch die digitale Revolution nicht unsere Arbeitsplätze ersetzen, sondern nur ergänzen, vereinfachen und effizienter gestalten. Es liegt nun an jedem Einzelnen, ob wir zusammen mit der Digitalisierung arbeiten oder von ihr überrollt werden. Je später jeder Einzelne und jedes Unternehmen sich mit der schon sehr gegenwärtigen digitalen Entwicklung auseinandersetzt desto eher besteht die Gefahr von der Konkurrenz abgehängt zu werden. Das vollständige analoge Arbeiten ist vorbei und je eher das verstanden wird, desto früher können die vielfältigen Möglichkeiten der Arbeitsprozesserleichterung durch Digitalisierung realisiert und genutzt werden. Warum sich nicht heute schon der Zukunft stellen, um nicht noch immer in der Vergangenheit leben? Denn – auch wenn alle Großeltern es uns eintrichtern wollen: Früher war nicht alles besser. 

Digitalisierung gleicht einer Evolution

Digitalisierung führt in der Arbeitswelt immer eine Veränderung des gewohnten und klassischen Arbeitsplatzes und vor allem der Arbeitsweise ein. Neue Technologien werden angeschafft und alte, ineffiziente Strukturen verbannt. Viele sehen hier eine Gefahr der Überforderung durch zu schnell aufkommende Reize und Lerneindrücke, doch Digitalisierung darf man sich nicht wie einen großen, magischen Knall vorstellen, der innerhalb weniger Momente alles auf den Kopf stellt. Vor allem in kleinen und mittelständischen Unternehmen verläuft die Digitalisierung in kleinen Schritten gleich einer biologischen Evolution, die sich den Bedürfnissen des Lebewesens anpasst und sich dementsprechend erst verändert. Denn Technik und Innovation sind teuer und solange wenig, bis keine staatlichen Zuschüsse in die digitale Entwicklung gesteckt werden, muss die Digitalisierung von den einzelnen Unternehmen selbst vorangetrieben und finanziert werden. Toll, wenn einige Unternehmen in die Vorreiterrolle schlüpfen und ihr Unternehmen mit Digitalisierungskonzepten in die Zukunft führen. Bedauerlich, wenn viele weitere Unternehmen noch keinen Anreiz für Veränderung sehen oder sich die digitalen Möglichkeiten auch einfach nicht leisten können. 

Dabei sollte die Frage nach Digitalisierung ja oder nein gar nicht gestellt werden. Denn digitalisierte Arbeitsabläufe und Prozesse können so viel Positives für die Arbeitgeber:innen und die Arbeitnehmer:innen bringen. 

Werfen wir nun den Blick in die Digitalisierung der Pflegebranche. Eine Branche mit dem Ruf ganz am Anfang der digitalen Entwicklung zu stehen. 

Was für Vorteile kann die Digitalisierung den Pflegenden und Pflegebedürftigen ermöglichen?

Dr. Martina Lizarazo López trifft mit folgenden Worten direkt ins Schwarze bzw. in den wunden Punkt der Pflege: „Heute sind soziale und technologische Innovationen in der Pflege ein `Nice-to-Have´, morgen sollten sie das `Must-Have´ einer zukunftsgewandten Pflege sein“. Angesichts der beunruhigenden Zahlen im Personalmangel der Pflege (Verlinkung zu Blogartikel Personalmangel) sollte dieses „Must-Have“ lieber gestern als morgen realisiert werden. Je eher Erleichterung durch digitale Anwendungen in den Arbeitsalltag der Pflegenden tritt, desto eher wird die physische und psychische Dauerbelastung entspannt, die Arbeitsbedingungen verbessert und der Beruf wieder attraktiver für Berufseinsteiger. 

Digitale Veränderungen sollen und können die Möglichkeiten und Bedingungen für sowohl Pflegebedürftige als auch für Pflegende erheblich verbessern. Dies gilt nicht nur für Fachkräfte, sondern auch für pflegende Angehörige, auf denen natürlich auch ein enormer Zeit- und Arbeitsdruck liegt. 

Grundsätzlich erschaffen digitale Lösungen eines: Zeit & Effizienz.

Zeit und eine effiziente Nutzung dieser stehen über allem. Diese gewonnene Zeit ermöglicht daraus folgende Entwicklungen. Zum Einen entstehen so Kapazitäten für eine tiefergehende soziale Zuwendung, Innovation und Kommunikation zwischen Pfleger:innen und Pflegebedürftigen. Also eine deutliche Steigerung der sozialen sowie gesundheitlichen Lebensqualität der Pflegebedürftigen durch digitale Lösungen. Aber nicht nur Pflegebedürftige profitieren von digitalen Prozessen und Technologien: Auch die berufliche Qualität der Pfleger:innen kann um einiges gesteigert werden. Wir denken hierbei an Schlagwörter wie Work-Life-Balance sowie körperliche und geistige Entlastung. Letztendlich hat der Berufszweig „Pflege“ die Chance, durch eine flächendeckende Digitalisierung wieder deutlich an Attraktivität für Berufseinsteiger:innen zu gewinnen und auch die berufliche Zufriedenheit der Fachkräfte wieder aufzubauen, um so dem Personalmangel entgegenzuwirken. 

Steigerung der beruflichen Qualität

Pflegende erhalten durch digitale Entwicklungen einen neuen Spielraum in ihrer eng getakteten Zeit und Arbeitserleichterung mit effizienter und schneller gestalteten (Routine-)Prozessen, die agiles, mobiles Arbeiten möglich machen. Ein zentrales Element in der Pflege ist die Dokumentation der erbrachten Leistungen. Diese sollte so übersichtlich und schnell durchgeführt werden können wie möglich. Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglichen zum Beispiel einen einfachen Zugriff auf elektronische Patientenakten oder Pflegedokumente. Diese können schnell nach Bedarf aktualisiert und so alle Kolleg:innen auf den gleichen Wissenstand gebracht werden. Digitale Hilfs- und Monitoring-Systeme verbannen das Zettelchaos, in dem zuvor alles händisch eingetragen wurde oder Ereignisse mündlich weitergetragen werden mussten. So ist es möglich alle benötigten Daten entweder auf einem Gerät bei sich zu tragen oder an einem zentralen PC zu finden. Dazu entwickelt zum Beispiel  AssistMe intelligente digitale Produkte, die ein gesamtes Pflegeheim vernetzen können, um so auf Knopfdruck einen Überblick über die aktuelle Pflegesituation zu erhalten. Service- und Transportroboter bringen Essen oder Wäsche zu den jeweiligen Stationen, können schwere Lasten tragen oder können Überwachungs- oder Erinnerungsfunktionen einnehmen. Sie bieten Unterstützung der Pflegekräfte auf technologischer Basis und sorgen langfristig für reduzierte Kosten. 

Vernetzung der Regionen

Es gibt bereits Prozesse, die sich auch einer vernetzten Tourenplanung angenommen haben. So zum Beispiel unser Projekt DiCaSa. Die Plattform ermöglicht eine passgenaue Vernetzung ländlicher Einzugsgebiete mit den Versorgungskapazitäten der dortigen ambulanten Dienste. Die zeitintensive Anfrage bei allen Anbietern wird dadurch wesentlich erleichtert. Die pflegerische Versorgung kann zufriedenstellender, wirtschaftlicher und nachhaltiger gestaltet werden, indem die regionale Versorgung gemeinsam gedacht wird und Wissen und Synergien miteinander durch eine digitale Lösung geteilt werden.

Entlastung der Pflegenden

Digitale Anwendungen können nicht nur im Monitoring und Organisation unterstützen, sondern auch psychisch und physisch entlasten, zum Beispiel liefern sie Unterstützung bei körperlich anstrengenden Aufgaben, teilen mit wenn Pflegebedürftige fallen, das Haus unerlaubt verlassen oder geben Auskunft über Inkontinenz. Der ständige Druck immer Augen und Ohren in jedem Zimmer haben zu müssen wird von den Schultern der Pfleger:innen gehoben. Sprechanlagen oder Notrufknöpfe halten eine stetige Kommunikation zwischen Pfleger:in und Bewohner:in bei Bedarf aufrecht. Was ist die Folge einer gut eingesetzten digitalen Lösung in einem Pflegeheim? Die Fachkräfte werden vor allem psychisch entlastet, nicht allen Bewohner:innen gerecht werden zu können und nicht alle Aufgaben bewältigen zu können. Viele Aufgaben übernimmt die Technik für sie oder lässt sie ihre Arbeit einfach schneller erledigen. Arbeitszeit kann flexibler reguliert werden. Arbeitszeit kann so nach Bedarf gestaltet werden und muss nicht wie in analogen Zeiten bis ins Äußerste ausgereizt und ausgenutzt werden. So kann zum einen die Planbarkeit von Freizeit garantiert und zum anderen eine kosteneffizientere Schichtplanung umgesetzt werden. Beschäftigt man sich ein wenig mit den Gründen für Berufsausstiege aus der Pflege fällt jedem schnell ins Auge, dass die Nicht-Vereinbarkeit von Arbeit und Familie einer der Hauptaspekte dafür ist. Der berufliche Stress und die ständige Abrufbarkeit wächst vielen über den Kopf und lässt diesen Stress zu starken psychischen Problemen, wie Burnout, heranwachsen. Bei einer flexibleren Arbeitszeitenregelung – ermöglicht durch die entstandene Zeitersparnis der Digitalisierung – kann zum Beispiel die Möglichkeit einer Teilzeitstelle in Betracht gezogen werden, um Familienplanung und Beruf vereinbaren zu können. Damit werden oft auftretende lange Unterbrechungen im Beruf vermieden. Natürlich ist es im ersten Schritt eine Herausforderung ein ganzes Schicht- und Arbeitszeitenmodell umzustellen und auch das kann zu negativen Stimmen aus dem Betrieb führen. Hier muss sehr geplant und detailliert an die Maßnahmenumstellung hinsichtlich Arbeitnehmerzufriedenheit und Kosteneffizienz herangegangen werden. Doch angesichts von erschreckenden 14,8 Millionen Überstunden (davon 5,8 Millionen unbezahlt) die 2019 alleine in der Altenpflege in Deutschland geleistet wurden, sollte jede noch so große Veränderung und Aufgabe in Kauf genommen werden. 

Soziale Zuwendung, Innovation und Kommunikation

Dadurch, dass die alltägliche Pflegeleistung entlastet wird, kann die gewonnene Zeit der Pflegenden zugunsten einer intensiveren Zuwendung für die Pflegebedürftigen eingesetzt werden. Die gewonnene Zeit kann eingesetzt werden, um mehr Bewohner:innen zu pflegen oder aber auch – und das wäre doch die wünschenswerte Variante – mehr soziale Zeit mit den Pflegebedürftigen zu verbringen. Mehr soziale Interaktion und Gespräche mit wirklich zuhörenden Gegenübern, die ohne enormen Zeitdruck agieren müssen. Hier eröffnet sich die Möglichkeit den Bewohner:innen ein besseres und erfüllteres Leben im Pflegeheim bereiten zu können. In dem sie so nicht nur ein „Pflegeobjekt“ sind, sondern sich wirklich Zuhause & gut behandelt fühlen. Was kann zu diesem „Zuhause sein“-Gefühl beitragen? Selbstbestimmtheit & Selbstständigkeit. Diese können durch Digitalisierung länger aufrechterhalten werden. Genauso wie die Prävention, von zum Beispiel Unfallgründen, durch digitalisierte Prozesse gestärkt werden kann, um diese erst gar nicht entstehen zu lassen. So können Pflegebedürftige noch sicherer betreut werden und so selbstständig wie umsetzbar leben. 

Erschaffung eines Gemeinschaftsgefühls

Neben dem selbstständigen Leben ist soziale Interaktion genauso wichtig. Ohne Zuwendung und Aufmerksamkeit geht der Mensch wie eine Zimmerpflanze ein. Hier gibt es mittlerweile verschiedene digitale Möglichkeiten ein Gemeinschaftsgefühl zu erschaffen. So kommen hier zum Beispiel noch einmal Roboter ins Gespräch. Dieses Mal jedoch keine Service- oder Transportroboter, sondern Roboter mit menschlichen Zügen; Pflegeroboter. Roboter, die in Interaktion mit dem Menschen treten und somit menschenzentrierter handeln als bloße emotionslose Servicemaschinen. Solche Roboter wie die Therapierobbe Paro oder der Pflegeroboter Pepper können zu Freunden werden. Zwischen ihnen und Menschen kann ein echtes emotional aufgeladenes Vertrauensverhältnis entstehen. Hier geht es nicht um Effizienz, sondern um Wohlbefinden und auch um Entertainment. Die Maschine wird ihrer Rolle als kalter Dienstleister entnommen und in den Status eines personifizierten Interaktionspartner gehoben. Dieser Partner zeigt Gefühle, stellt Fragen, gibt Antworten und nimmt aktiv am Leben teil. So ein Roboter kann Halt und Zuwendung geben, wenn einmal kein menschlicher oder vielleicht auch tierischer Kommunikationspartner vorhanden ist. Möglicherweise vertraut man einer flauschigen Roboterrobbe auch mehr an als Pfleger:innen? Grundsätzlich darf die soziale Interaktion durch Roboter natürlich niemals die menschliche Kommunikation ersetzen, sondern nur unterstützend ergänzen. Ansonsten wäre die Pflegeroboter-Zukunft eher eine Dystopie als Utopie. Man sollte die Roboter wohl mit einem Haustier-Ersatz gleichstellen, aber ihn nicht auf eine emotionale Stufe mit den Menschen stellen. 

Pepper wird gerade in einigen Pflegeheimen als Pilotprojekt getestet. Die Selbstverständlichkeit einer Mensch-Roboter-Beziehung ist noch nicht gegeben. Dessen Erfolg ist von den Fortschritten in der Programmierung der Roboter abhängig. Wird die Technik soweit entwickelt werden, dass Menschen vergessen mit Kabeln und Computern zu interagieren oder wird immer eine gewisse Distanz und Skepsis bestehen bleiben? 

Sicherlich: Roboter werden nicht müde und lassen sich nicht von ihrer Arbeit ablenken. Arbeiten also – so könnte man vielleicht vermuten – effektiver als menschliches Pflegepersonal. Könnte so mehr Arbeit in kürzerer Zeit verrichtet werden? Mehr Menschen gepflegt werden für geringere Kosten? Hier gibt es ein klares Gegenargument, denn:  

„Effektivität ist (…) nicht der höchste Wert. Sie darf die Entfaltung des Menschen in seinem eigenen Handeln nicht substanziell einschränken, und sie muss hinter der grundlegenden ethischen Dimension des sinnvollen und gelingenden Lebens als Einzelner und in der Gemeinschaft zurückstehen. Selbst wenn also beispielsweise ein Roboter einen Menschen effektiver pflegen könnte, dürfte die menschliche Zuwendung und Sorge für den pflegebedürftigen Menschen dadurch nicht ersetzt werden. Gleichwohl kann der Einsatz von Robotern in der Pflege zusätzlich zur menschlichen Zuwendung geboten sein, wenn dadurch die Sicherheit der zu pflegenden Person wesentlich erhöht wird“ (Datenethikkommission 2019). 

Die Anwendung und der Einsatz von digitalisierten und mit künstlicher Intelligenz denkenden Hilfsmitteln in der Pflege steht ganz am Anfang und muss ganz klar in den nächsten Jahren auf Herz und Nieren geprüft werden. Nichts darf ohne umfangreiche Prüfung (im ethischen sowie technischen Bereich) einfach auf den Markt und in die Pflegeheime integriert werden. Doch – wie man so schön sagt – wächst man an seinen Aufgaben und die Aufgabe, die Pflege moderner, attraktiver, effizienter und menschengerechter zu gestalten, kann durch digitale Lösungen auf die richtige Bahn geführt werden. 

Digitalisierung kann und wird der Pflege eine enorme Hilfe und Erleichterung bringen. 

Gute und innovative Ideen und Projekte müssen dementsprechend unbedingt gefördert werden und zur Sprache kommen. Vor allem müssen sie aber von Einrichtungen und Pflegediensten akzeptiert und integriert werden. Das „Sich-Lösen“ von alten Prozessen und Mustern ist hier ein entscheidender Schritt, um offen in die Pflegezukunft zu gehen und aktiv agierender Teil von ihr zu sein. Natürlich stellt uns die Digitalisierung wie jede Branche vor einige Herausforderungen. 

Vor welche Herausforderungen stellt uns die Digitalisierung?

Neben der funktionierenden Symbiose zwischen Menschen und Maschine, die erst noch entwickelt und austariert werden muss, stellt sich der Datenschutz als eine zentrale Herausforderung dar. 

Gesundheitsbezogene Daten gehören laut der EU-Datenschutzverordnung zu den besonderen personenbezogenen Daten, die einem sehr hohen Schutz unterliegen müssen. Aus der Verordnung ergibt sich ein grundsätzliches Verbot der Verarbeitung dieser Daten. Diese Verarbeitung ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich, wie zum Beispiel nach einer Einwilligung der betroffenen Person oder bei gesetzlichen Ausnahmefällen. Programme müssen also eine ausschließlich interne und transparente Behandlung und Verarbeitung der Personendaten garantieren müssen, um die Patient:innen nicht zum gefürchteten „Gläsernen Menschen“ zu machen. Wie mit persönlichen Daten umgegangen wird, wird einen entscheidenden Beitrag dazu leisten wie Menschen neue digitale Lösungen akzeptieren und in ihren Beruf bzw. ihr Leben einbinden werden. 

Natürlich ergeben sich aus der Digitalisierung und aus dieser heraus folgenden digitalen Datenverarbeitung auch ethische Fragestellungen. Wie hält man trotzdem die Privatheit und die Würde der Pflegebedürftigen aufrecht? Inwieweit ist es möglich den Pflegebedürftigen durch Technik wieder ein Stück Selbstbestimmtheit zu ermöglichen, ohne sie komplett von dieser abhängig oder bestimmen zu lassen? Wie viel Kontakt zwischen Menschen und Maschine ist noch gesund? Bis zu welchem Maße gibt man der Maschine Verantwortung für Pflegebedürftige? Dies sind nur einige Fragen, die im Laufe der Digitalisierung diskutiert und beantwortet werden müssen. 

Welche neuen Aufgabenfelder und Kompetenzen entwickeln sich aus der Digitalisierung heraus?

Um die Digitalisierung als Chance und Erfolg zu begreifen und zu nutzen ist deswegen der Erwerb von digitalen Kompetenzen für Pflegende von sehr großer Bedeutung. Bevor sie nicht vollkommen verinnerlicht haben welche Potentiale sie mit bestimmten Programmen zur Verfügung haben und wie man diese am besten anwendet, kann kein Erfolg eintreten bzw. digitalisierte Prozesse integriert werden. Sie müssen lernen die digitalen Möglichkeiten zu nutzen, um für sich selbst und auch die Pflegebedürftigen einen Vorteil ziehen zu können. Überforderung durch die Einführung neuer Techniken muss unbedingt vermieden werden. Und auch eine Überforderung der Pflegebedürftigen durch neue Prozesse darf nicht aufkommen. Auch sie müssen langsam an diese digitalen Veränderungen herangeführt werden, ohne sich alleingelassen zu fühlen. Digitale Prozesse müssen sowohl den Pflegenden als auch den Pflegebedürftigen und auch den Angehörigen gerecht werden. Welche Rechte und Pflichten bestehen, falls Missbrauch mit den eigenen Daten getrieben wurde? Wie können Teilnehmende der digitalen Prozesse vor Datenmissbrauch geschützt werden und sicher teilnehmen? Und: Welche Verhaltensweisen in und mit den digitalen Prozessen werden als Status Quo festgelegt? Der digitale Umgang miteinander und innerhalb der neuen Systeme muss entwickelt und vor allem geübt werden.  

Welche Probleme können durch Digitalisierung entstehen bzw. gelöst werden?

Pflege ist eine zwischenmenschliche Interaktion zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen. Diese Interaktion bringt emotionale Anforderungen mit sich. Pflegende müssen sich offen und situationsbedingt anpassen können, denn Arbeit mit Menschen ist nur eingeschränkt planbar und Bedürfnisse eines Menschen sind oft nicht vorhersehbar. Passt diese flexible und dynamische Arbeitsweise mit digitalen und hochstrukturierten Prozessen zusammen? Psychisch könnte diese Vereinbarkeit auf jeden Fall fordernd sein. Darüber hinaus birgt Digitalisierung in der Interaktionsarbeit das Risiko, dass der einzelne Pflegefall standardisiert, das heißt auch anonymisiert wird. Das individuelle Bedürfnis des Einzelnen könnte darunter leiden und die so wertvolle Zwischenmenschlichkeit, die die Pflege ausmacht, durch störende Technik ausgegrenzt werden.  Andererseits bietet die Technik auf der Interaktionsebene auch 

Chancen. So kann zum Beispiel die Zwischenmenschlichkeit noch zusätzlich gestärkt werden, indem mehr Kontakt zwischen Pflegebedürftigen und Angehörigen entstehen kann (Videotelefonie, Smartphone Nutzung, detaillierte Dokumentation des Pflegealltag etc.). Angehörige können durch diese Maßnahmen einen viel größeren Anteil im Leben der Pflegebedürftigen einnehmen. So gibt es zum Beispiel auch schon interne soziale Netzwerke für Pflegeheime. Hier kann der Alltag der Pflegebedürftigen gezeigt & miteinander kommuniziert werden. Das kann im Speziellen zum Beispiel ein Ausflug in ein Museum sein, von dem Angehörige sonst vielleicht aufgrund fehlender Informationsweiterleitung und Kommunikation nichts mitbekommen hätten.  

Auch, wenn es zunächst schwierig sein könnte diese sehr emotionale Arbeit mit digitalen Prozessen zu unterstützen, gibt es hier immerhin schon Ansätze für unterstützende Lösungen. Andere Bereiche der Pflege profitieren hingegen ganz klar von Digitalisierung. Insbesondere wissensbasierte und körperliche Arbeit erfahren durch sie Erleichterung. Ein System in dem zum Beispiel das umfassende pflegerische und medizinische Allgemein- und Patientenwissen zentral gespeichert und aktualisiert wird, erspart lange Recherchen, Berge an Akten, fehlerhafte Informationen und natürlich enorm viel Arbeitszeit. Denn ein großer zeitintensiver Arbeitsanteil innerhalb der Pflege besteht aus Organisations- und Dokumentationsarbeit, die planbar und voraussehbar ist. Hier können Routinen und administrative Aufgaben, Pflegeplanung durch digitale Hilfen vereinfacht und effizienter gestaltet werden. Durch digitale Prozesse kann sich eine ganz neue Welt eröffnen, wie Pflege ausgeführt wird. Dafür muss allerdings vorausgesetzt werden, dass die Pflegenden über das Wissen verfügen welches System für welchen spezifischen Einzelfall geeignet ist und was für Wirkung daraus erfolgen kann. Auch wenn die Technik heutzutage sehr weit fortgeschritten ist, darf nicht der Fehler begangen werden und vollkommenes Vertrauen und unkontrollierte Eigenständigkeit in sie gelegt werden. Pflegende müssen sich immer noch auf ihren eigenen Erfahrungshorizont und ihr Wissen berufen und aufgrund dessen diese Systeme anwenden. 

Uns ist wohl allen klar: Die Digitalisierung bringt unserer Branche viele Chancen und Weiterentwicklungen. Natürlich bringt sie ebenso Risiken und Herausforderungen.

Wie ist das Spektrum digitaler Unterstützungssysteme heute – und wie könnte der Pflegealltag in 30 Jahren aussehen? Welche Möglichkeiten sehen Technikexpertinnen und -experten überhaupt? Werden künstlich intelligente Transfer-Hilfen, Roboter-Arme und vernetzte Pflegebrillen wirklich selbstverständliche Helfer sein? Werden die Bürgerinnen und Bürger zu gläsernen Patienten, mit deren Daten große Konzerne profitable Geschäftsmodelle betreiben, aber profitieren die Nutzerinnen und Nutzer selbst gesundheitlich am Ende gar nicht?

zqp.de

Gesellschaft öffnet sich neuen, digitalen Möglichkeiten

Diese Fragen gilt es noch zu beantworten. Was wir schon sicher wissen ist, dass digitalisierte Prozesse jetzt schon nicht mehr wegzudenken sind. Hierfür muss man sich nur einmal eine Folge der Pandemie anschauen: Der europäische Marktführer der medizinischen Apps Kry hat von Februar bis März 2020 einen 540-prozentigen Anstieg der Videosprechstunden für Infektionssymptome in Deutschland aufgenommen. Die Gesamtzahl der Videosprechstunden in Deutschland hat von Februar bis März um mehr als 300 Prozent zugenommen. Andere Anbieter bezeugen diese Entwicklung: „Wir [haben] (…) eine Steigerung von 210 Prozent erfahren“, sagt Katharina Jünger, Gründerin und Geschäftsführerin von Teleclinic (vgl. businessinsider.de). Plattformen für Online-Terminbuchungen und Videosprechstunden werden in den nächsten Jahren noch einen festeren Platz in der Gesellschaft einnehmen als sie es während der Pandemie eh schon getan haben. Das Videotool der Plattform Jameda ist tatsächlich bereits kassenärztlich zertifiziert, das heißt Videosprechstunden kann der gesetzlich Versicherte abrechnen lassen. Fernbehandlungen und auch elektronische Rezepte sind erst seit 2019 offiziell durch das „Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“ erlaubt. 

Die Gesellschaft öffnet sich diesen neuen digitalen Möglichkeiten. Doch es gilt alle mit dieser Bewegung abzuholen. Denn auch wenn die Verwendung digitaler Prozesse in der Pflege und Gesundheit zunimmt, gibt es immer noch stagnierende Faktoren: Immer noch findet wenig digitaler Austausch zwischen Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen statt – und das aufgrund fehlender Anreize und mangelndem Interesse auf Seite der Ärzt:innen. Dabei würde eine digitale Sprechstunde viel wertvolle Zeit für Pfleger:innen einsparen. Diese müssten nicht direkt vor Ort erscheinen, wenn es womöglich ein einfaches digitales Gespräch auch getan hätte. Darüber hinaus hemmen insbesondere „Finanzierungsprobleme, eine geringe Akzeptanz bei älteren Beschäftigten, zeitaufwendige Einarbeitung der Mitarbeiter:innen bei der Einführung der Technologien, Doppeldokumentation (elektronisch und in Papierform) (…) und geringe Ausgereiftheit der Technologien“ (Potenziale einer Pflege 4.0 für die Langzeitpflege, 2021: 6) die Umsetzung einer digitalisierten Pflege. 

Stehen Sie als Unternehmen, Kommune oder Pflegeeinrichtung auch vor einem dieser Probleme und Hemmnissen? Oder haben Sie zwar viele Ideen wie sich die Digitalisierung bei Ihnen gestalten könnte, doch es hapert an der Umsetzung? Kontaktieren Sie uns. Wir beraten Sie gerne, um Sie auf ihre digitale Pionierreise zu begleiten.

Im weiterführenden Blogartikel “Angebotspalette Digitalisierung” klären wir gerne darüber auf welche Angebote und Projekte wir mit Pflegediensten umsetzen können. Hier bekommen Sie einen tieferen Einblick in die digitalen Abläufe und Systeme, die jetzt schon möglich sind und in Ihren Pflegedienst mit uns zusammen integriert werden können.